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Virtuelle Collaboration und die Sex Hotline

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Vorige Woche habe ich mit Horst Schubert einen öffentlichen Selbstversuch zu virtuellen Collaboration abgehalten.

Öffentlich, weil im Rahmen einer CMG Veranstaltung "Social Networking goes Collaboration".

Selbstversuch, weil wir uns,  getrennt durch eine Pinwand, dem Thema genähert haben. Sozusagen ein Gespräch unter Freunden, getrennt durch ein wenig Technologie. Und so begann alles:

- Virtuell sagt immer "Achtung Metapher", was jetzt kommt, ist nicht wirklich ein Team, es ist nur ein matter Abklatsch, eine  Metapher!
- Virtuell sagt, "es ist potenziell immer verfügbar". Auf Knopfdruck.
- Virtuell bedeutet auch, nie ganz eintauchen zu können. Die Akteure bleiben ja immer mit einem Fuß in der Realität.

Also wie eine Sexhotline: immer an- und abrufbar, aber nie wirklicher Sex.

4 Thesen kamen dann heraus:

1)  Virtuelle Kollaboration klappt nur solange man sich einig ist.


Virtuell können Differenzen zwischen Personen oft schwer erkannt werden. Man sieht, hört und riecht sich nicht richtig. Wann ist ein "ja" ein "ja" ?
Unternehmen haben oft banale Schwierigkeiten Besprechungen zu organisieren, in denen gut entschieden werden soll. Agenda ? Moderator ? Vorbereitung ? Virtuell wird der Wahnsinn nur beschleunigt. Sobald man sich nicht einig ist, muss man sich treffen. Zum Collaborieren nämlich.

2) Organisationen sind nie virtuell

Virtualität ist immer Irritation und Störung. Neue Tools heben oft traditionelle Rollen und Prozesse auf. Man spricht plötzlich mit anderen Hierarchien und virtuelle Vereinbarungen bekommen eine seltsame Eigendynamik. Was gilt für wen und wer legt das fest ? Wird anders belohnt oder passiert alles  unverbindlich? Viele Projekte scheitern, wenn die Organisation nicht mitgedacht wird. Facebook (oder Yammer oder oder...) im Unternehmen gibt es nicht, höchstens eine Kooperation zwischen zwei Communities.  Zwischen der realen  Organisation und einem Netzwerk, einer Community of Practise oder einem Projekt.

3) Wissen ohne Kopf gibt es nicht

 Wissensmanagement ist tot. Es gibt kein Wissen, das gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden kann. Wissen erkennt man nur an wirkungsvollen Handeln (sagte schon Francesco Varela). Es leben die Experten, die Information im Kontext nutzen können! Ohne Kontext kein Wissen über die Umwelt und keine richtige Entscheidung. Ähnlich schreibt Michael Höfer über Raucherecken und Wissensmanagement: persönlicher Austausch zählt einfach.

4) Virtuelle Probleme können nur real gelöst werden  

 Oft gibt es Differenzen über Rollen, Prozesse. Das Ergebnis:  die Bedeutung von Information in virtuellen Systemen wird unklar. Diese Differenzen sind Resonanzen der Organisation auf ihre eigenen Unterschiede zur virtuellen Welt. Wenn also z.B ein Innovationsblog nicht klappt, dann deshalb, weil die mangelnde organisatorische  Innovationsfähigkeit im virtuellen Raum so  dramatisch sichtbar wird.

Don't virtualize, what is not working aleady in real. Aber wenn schon, dann die Organisation mitdenken: Governance, Compliance, Belohnungssysteme, Stakeholder gibt es weiterhin.









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Michael Ludwig Höfer (06.06.2011 (20:09:41))
0 Hallo Thomas

Dein Artikel hat mir Spaß gemacht, obwohl ich deiner Definition von "Virtuell" zu Beginn nicht ganz folgen kann. Mein Verständnis folgt eher einem Workshop vor einigen Jahren unter dem Titel "Führung virtueller Teams" > da ging es um die Führung von Teambesprechung en via Telefonkonferen z, inkl. Konfliktbewältigung.

Das virtuelle Team nach diesem Verständnis waren konkrete Menschen, ein konkretes Team, nur eben nicht vor Ort.

Die Schlussfolgerun g unter 1. unterschreibe ich dafür sofort: sowas steht und fällt mir klaren Zielvorgaben und straffer Moderation.

Trotzdem ist das kein Widerspruch zur 4. These, denn auch z.B. Telefonkonferen zteams sind organisatorisch eingebunden, und auch anderweitig real verbunden. Das Virtuelle wird sicher nie reale Zusammenarbeit ersetzten. Aber im Ernst: wer das behauptet meint auch, dass 2. Life-Spieler kein "echtes" Leben hätten ;-) Ohne "Rauchereck e" geht´s halt nicht ;-)
Quote


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