Anstatt guter Vorsätze 2018

Die Season Greetings sind vorbei und die freundlichen Hinweise, dass das Jahr wieder zu Ende gehe, sind verebbt. Zeit für meinen jährlichen Nachdenker für Führungskräfte und Zeitgenossen.

Aus meinen  Beobachtungen aus 2017:
Die Ökonomie:
Die einen wollen in splendid isolation wieder „great“ werden. Riesige Investitionen in Projekte wie die neue Seidenstraße sollen dagegen den endgültigen Beweis antreten: „You can’t shrink to greatness!“(1). Europa gefällt sich darin, ein alter, müder Kontinent zu sein und sich in der Vielzahl seiner politischen Systeme und wirtschaftlichen Glaubenssätze  zu verheddern. Soll man nach Hausfrauenart sparen, wenn gleichzeitig unbeschränkte Geldmengen produziert werden? Sind Linke jetzt die neuen Systembewahrer? Können Rechte tatsächlich eine subsidiäre Vielfalt wollen?

Arbeit und Arbeitswelt
Die Neue Welt der Arbeit ist von Technik ermöglicht und getrieben. Homeoffice und globale Teams sind Vorboten der Veränderung, die mit künstlicher Intelligenz und Robotik noch viel weitergehen werden. Crowdworking macht Neue Selbstständige zum Konkurrenten von Clickworkern in Wellblechbaracken ferner Entwicklungsländer. Taylorismus in der Wissensarbeit führt zu öden Mac-Jobs im Homeoffice. Wer hätte das gedacht?

Der „war for talents“ bewirkt, das Unternehmen sich am Arbeitsmarkt vorteilhaft positionieren müssen („Employer Branding“).

Noch mehr menschlicher Nachschub muss her. Schon Volksschulen sollen Kinder heute bereits für die Technologie von morgen ausbilden. Menschen lernen über Zeugs(2), das sie später eher nicht benötigen werden. Sie werden mehr Noten und Zertifikate bekommen, aber weniger Fähigkeiten ausbilden können. Dabei hat die Diskussion, wieviele AkademikerInnen wir benötigen, schon begonnen (3).

Unternehmen und Unternehmer
Das D-Wort, das man nicht aussprechen soll. Die alles aus den Angeln hebende Digitalisierung, die auf uns einstürmt. Wir sollen uns wirklich fürchten. Oder wir tun etwas:
Nach Schumpeter schöpferisch zerstören. Die Initiative von General Electric wieder aufgreifen – „Destroy-your-own-Business (dyb.com)“. Unternehmerisches Kapital wieder als die intelligente Kombination von Wissen und Beziehungen verstehen. Als Unternehmer auf dem schöpferischen Impuls immer weiter reiten.

Was es schwer macht:
Das Denken in Effizienz, Perfektion, Riskmanagement und Governance behindert uns heftigst. Ein Suchprozess, ein Schöpfungsprozess ist nur möglich, wenn wir verschwenderisch mit Ressourcen, Information und mit Zeit umgehen. (4)

Gerne wird behauptet, man könne das Neue durch Prozesse und Methoden in den Griff bekommen. Willst Du sparsam und geordnet auf neue Ideen kommen, mach einfach einen Design Thinking Kurs, lies ein Buch, das genügt schon. Es aber besser bei „Die Wahrheit über Design Thinking„(6) zu beginnen.
Wie kann Innovation im Unternehmen nicht zufällig, sondern regelmäßig zustande komme? Zuerst den Schutt von 100 Jahren unter Governance und Frameworks aller Art wegschaufeln. Dann den Impuls der Erneuerung loslassen, egal ob Top-Down oder Grassroot. Dieser stößt immer auf eine resistente Organisations-Logik. Ihr guter Zweck ist die Sicherheit und die Wiederholbarkeit von Ereignissen. Soll das überwunden werden, dann  verwenden Sie dafür die rechte und linke Gehirnhälften Ihrer Mitarbeiter und Kunden. Als Manager Rallye fahren. Gleichzeitig Gaspedal und Bremse benutzen, dann kommt man am schnellsten voran. Das Roadbook der letzten Jahre kurz zur Seite legen und aus dem Fenster sehen.

Was also tun?

Gerne halte ich es mit Beppo, dem alten Strassenkehrer(5):
„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. […]

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste. […] Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Aber manchmal muss die Strasse erst gebaut werden.

(1) Nach Roland F. Scharb
(2) Martin Heidegger unterscheidet zwischen dem Zeugs, das einfach nur da ist und dem Zeugs, das zu Handen ist, im Kontext seinen Nutzen und uns selbst entfaltet.
(3) Kommentare im Standard: 3.1.2018 „Überqualifizierung: Wider die Akademisierung“ 2.1.2018 „Laut Studie ist jeder Fünfte für seinen Job überqualifiziert“
(4) Nach Johannes Zeitelberger / Vorstand CMG
(5) Aus: „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende
(6) Artikel von Rudolf Greger / designthinkingtank

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