UBUNTU ???

Software und der Traum von einer gerechten digitalen Gesellschaft. Aber nur, wenn auch Sie mitmachen.

K. lachte mich erleichtert an, als er seinen Macchiato umrührte. Er war kurzfristig von der Geschäftsführung eines High-Tech Unternehmens ins freie Leben eines neuen Selbstständigen geglitten. Auf einmal war nichts mehr mit High und das Tech hatte sich als Blech entpuppt. Typisch K., er hatte natürlich schon wieder ein Angebot von einer dieser tollen Bio-Science-Firmen in der Tasche und er hatte so etwas Zeit gewonnen, sich die vom vielen Fliegen angeschwollenen Füße zu vertreten. Mir geht es ja auch immer so. Wenn ich ein Flugzeug nur sehe, schwellen meine Treter an. Ich bekomme oft schon beim Einchecken nicht einmal die Schuhe runter, wenn der blonde Gorilla von der Security nach Demontage von Gürtel und Uhr noch einen weiteren Striptease fordert.

K. war zwischen zwei Jobs und in einer Art Champagner-Laune, ähnlich wie zwischen zwei Frauen: auf die eine wird ein wenig, wen auch wehmütig, geschimpft, die Neue erregt schon die Fantasie, obwohl man ihrer nicht sicher sein kann. Für diese angenehme Zwischenzeit brauchte es dennoch eine Infrastruktur, das alte Handy, der alte Laptop waren zu ersetzen. K., obwohl Doktor der Informatik ging das leicht zur Hand: Er nahm das schönste schwarze Handy aus dem Regal und ließ sich irgendeinen Vertrag aufschwatzen, ähnlich ging er bei Laptop vor. „ Und die Software?“ fragte ich besorgt, er war ja so ein digital angetriebener Jung-Achtundsechziger. K. grinste. Dann hauchte er nach einer Kunstpause „Ubuntu“ und rezitierte frei aus Wiki:

„Ein gesellschaftliches Ziel von Ubuntu ist es, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Digitale Spaltung überwunden wird. Daher will das Projekt Software anbieten, die für alle Menschen möglichst ohne Einschränkungen und kostenlos zur Verfügung steht. Dies spiegelt sich auch in der Wahl des Namens wider: der Begriff Ubuntu kommt aus den Sprachen der afrikanischen Völker Zulu und Xhosa und steht für „Menschlichkeit“ und „Gemeinsinn“, aber auch für den Glauben an ein universelles Band des Teilens, das alles Menschliche verbindet… „

Noch am selben Abend rief er mich illuminiert an. Es ginge schon und wäre sauschnell. Was hast du sonst so vor? „Open Source, also zahlen tu ich nix, ich bin ja nicht blöd, Mann“. Die nächsten Treffen waren geprägt von Schwärmen über Stabilität und die Wunder der freien netzgelagerten Software. Wenn wir Dokumente austauschten, versäumte er nie, mich darauf hinzuweisen, dass mein Format veraltet wäre, nämlich Microsoft, und mir ungeahnte Funktionalität entgehen würde. Ich wurde unsicher und begann meine Microsoft Aktien zu verkaufen, natürlich mit Limit. Täglich berichtete er von neuen Funktionen, wie Kalender und Groupware, die heute einfach unabdingbar für den digitalen Asphaltcowboy wären. Und es geht ja auch um unsere Würde und die Zukunft der Menschheit, wo kommen wir dahin, wenn wir nicht teilen, insbesondere Software, die nichts kostet und die durch Teilen immer mehr wird.

Gerade als ich selber auf die Suche nach diesen Wunderdingen ging und schon einiges in Erprobung hatte, ereilte mich sein Anruf aus dem 32ten Stock seines neuen Büros in London. Er war dabei sich einzuleben. Und die Ausstattung? Er faselte beglückt von blonder Assistentin, Fixum und Bonus, bis ich ihm das afrikanische Zauberwort durch den Hörer brüllte „U-b-u-n-t-u“.

„Windows“ sagte er leicht indigniert. Ob es nicht nachhaltig zu viele Ressourcen frisst? K. seufzte. Es ist so leicht, auf Microsoft einzuschlagen. Es funktioniert doch gut. Oder?

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